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Sieben magere Jahre für den Ziegel im Anzug

22/03/2012

Artikel Knack (2. März 2012)

"Das Symbol von Batibouw, dem Fassadenziegel, ist ein Produkt eines Boom-Bust-Zyklus. Der größte unabhängige Produzent Vandersanden erzielt manchmal mühelos eine Rendite von 30 Prozent, aber Geschäftsführer Jean-Pierre Wuytack sagt schwere Zeiten voraus.

Bei der Produktion von Fassadenziegeln beherrscht Wienerberger fast die Hälfte des nationalen Marktes. Nummer 2 ist Vandersanden, der größte unabhängige Fassadenziegelproduzent der Beneluxstaaten. Im Jahr 2011 betrug der Umsatz der Limburger Gruppe 110 Millionen Euro und stieg damit um 14 Millionen. Der geschäftsführende Direktor Jean-Pierre Wuytack spricht nüchtern von einer einmaligen Spitze. „Die sieben fetten Jahre im Bausektor sind vorbei“, heißt es. „Jetzt stehen die sieben mageren Jahre an.“ Der Schwiegersohn des früheren geschäftsführenden Direktors Constant Vandersanden signalisiert in seiner Sparte eine Überkapazität von 25 Prozent. Der Absatzmarkt ist gegenüber dem Spitzenjahr 2008 um ein Viertel gesunken. „Das Niveau bleibt“, sagt er voraus. „Es wird Opfer geben. Und wir werden nicht dabei sein. Wir können Erschütterungen nicht nur mit unserem internen Betriebspuffer abfangen. Wir haben mit der Luxemburgischen Vandersanden Finance auch eine externe Kriegskasse eingerichtet.“ Unter dem Dach der Vandersanden Finance beherbergt die Familie ein Vermögen in Form von Kapitalanlagen und Immobilien. Dadurch konnte beispielsweise in Polen die Entwicklung eines Industrieparks im Wert von 30 Millionen Euro finanziert werden.

Unter diesem Dach ist auch eine enorme Milchviehhaltung in Michigan aktiv. Die Operationen wurden von Guido Wauters geführt, der auch kaufmännischer Geschäftsführer von Vandersanden Bricks ist, während Schwager Wuytack als geschäftsführender Direktor fungiert. „Das ist die Bank der Gruppe“, sagt Wauters. „Sie kommt bei bestimmten Projekten oder wenn der Markt in einem Tal steckt zum Einsatz.“

2011 erzielte Vandersanden Steenfabrieken NV 65 Millionen Euro Umsatz. Daneben erzielten die Niederländischen Fabriken 35 Millionen und der Verkaufskanal SCU 10 Millionen. Der EBITDA des belgischen Ablegers beträgt fast 20 Prozent, in Spitzenjahren sogar 30 Prozent. Auch bei den konsolidierten Gewinnspannen ist die Norm bei 20 Prozent. „Es geht nicht anders“, rechnet der Verwaltungsratsdelegierte vor. „Eine neue Fabrik kostet 45 Millionen Euro und erzielt jährlich 14 Millionen Euro Umsatz. Mit einem Ergebnis vor Steuern von 15 bis 20 Prozent rechnet sich das Kapital erst nach 20 Jahren.“